Abschlussworkshop

Die erste Runde des Bandförderprojekts Lalla:Labor vom Musikbüro Bochum e.V. ist beendet.
2017 wurden mit „Die Freedes“, „Frère“, „Darjeeling“ und „Tiktaalik“ vier Bands mit jeweils 2.500 Euro zweckungebundenen Mitteln gefördert. Bei der Abschlussrunde im Eden an der Herner Straße trafen sich Bandmitglieder, JurorInnen und die Projektleiterinnen.

Bei kühlen Getränken und Catering aus dem benachbarten „Kugelpudel“ wurde das Projekt in einer offenen Feedbackrunde reflektiert und ein Ausblick auf die Zukunft des Lalla:Labor gegeben. Neben Nele und Angelika vom ecce, Flo und Ina von „Metal for Mercy“, der freischaffenden Künstlerin und Kuratorin der Ping Pong Gallery Ulrike und Jakob und Peter von „Sweepland Records“ kamen auch die Bands nach Bochum. Was lief gut? Was können wir besser machen und zu was kann sich das Lalla:Labor einmal entwickeln?

Die Manöverkritik fiel konkret und konstruktiv aus. Gelobt wurde das unkomplizierte Prozedere. Nach Auswahl durch die JurorInnen mussten die Bands lediglich einen kurzen Fragebogen ausfüllen und angeben, was sie mit dem Geld am liebsten anstellen würden. Zu viel und komplizierter Papierkram – bei der Bewerbung für Bandcontests oder Festivalauftritte üblich – schrecke eher ab. Auch dass Austausch und Konstruktivität bei Lalla:Labor im Fokus stehen und nicht der Konkurrenzgedanke, fanden alle Beteiligten ungewohnt und entspannend. Der Pilotcharakter habe außerdem Raum für Experimente geboten, die Qualität der von PartnerInnen nominierten Bands sei durchweg hoch gewesen.

Moderator Guy sah bei diesem letzten Punkt aber auch die Kehrseite. Trotz hoher Qualität fehlte ihm eine Überraschung. „Ich möchte auch mal da sitzen, etwas anhören und denken: Was soll das denn jetzt?“. Wie die musikalische Komfortzone und somit die Blase verlassen werden könnte, wurde direkt breit diskutiert. Eine größere Vielfalt an Musiktraditionen, -stilen und Instrumenten sowie die Abbildung unterschiedlicherer Musikszenen begrüßten alle. Die Erweiterung des musikalischen Horizonts könnte zu diesem Zweck bereits im Auswahlverfahren beginnen. Per Schneeballsystem könnten die PartnerInnen der ersten Runde die der nächsten vorschlagen, um den Kreis zu erweitern.

Diskutiert wurde ebenfalls, ob das Auswahlverfahren für die zweite Runde in dieser Form beibehalten werden soll. Alle waren sich darin einig, dass das Auswahlprozedere weiterhin so unbürokratisch wie möglich ablaufen sollte. „Das Fördergeld soll wieder zu einem größtmöglichen Anteil den Bands zugutekommen und nicht für die Verwaltung verwendet werden“, formulierte Projektleiterin Britta. Eine andere, grundsätzliche Frage war die nach der Bekanntgabe von Gewinnern und Nominierten. Eine Entscheidung über die mögliche Nennung der nominierten Bands in der zweiten Runde wurde noch nicht getroffen. Die Bands selbst sahen das weniger heikel.

Neben Kritik, Lob und Anregungen richtete Guy den Blick und die Diskussion auf die Zukunft und stellte die Frage: Was könnte das Lalla:Labor einmal sein? Projektleiterin Dorette wünschte sich, dass das Lalla:Labor künftig noch mehr Dynamik im Sinne des Bekanntheitsgrads in Gang bringt. Diese Energie sollte nicht personenbezogen sein, sondern sich in der hiesigen Musikszene frei entfalten und den AkteurInnen einen Impuls zum Andocken bieten. MusikerInnen, Bands, Spielstätten oder Festivals könnten so zusammengebracht werden. Das Projekt trägt den Gedanken einer dezentralen Plattform für Vernetzung der derzeit verstreuten Musikszene im Ruhrgebiet bereits in sich. In der zweiten Runde soll dieser Ansatz ausgebaut werden. Noch weiter gedacht könnte die lokale Szene ihr Potential auch über die oftmals starr wirkenden Grenzen des Reviers hinausgetragen und so neue Spielorte und ein anderes Publikum erschließen. Dieser Aspekt des Lalla:Labors stieß ebenfalls auf große Resonanz.

Bei der Vernetzung gelte, dass ein persönlicher Austausch nötig sei. Das betreffe sowohl die Bands untereinander als auch Veranstalter und Labels, bei denen sich die Türen erst durch Direktkontakt öffneten, so ein weiterer Tenor des Abends „Diese Kontakte und nur die persönlichen Kontakte erzeugen die gewünschte Dynamik. Verwalter von Listen wollen wir nicht sein“, erläuterte Dorette die künftige Ausrichtung des Lalla:Labor.

Wie das konkret aussehen könnte, wird derzeit erarbeitet und ausgewertet. Das Lalla:Labor möchte gerne ein Tool werden, mit dem sich Bands, Initiativen und Unternehmen virtuell und analog miteinander vernetzen und austauschen. Die künstlerische Vielfalt im Ruhrgebiet bietet dazu reichlich Potential und ist eine Einladung, die wir gemeinsam wahrnehmen wollen.