Lalla:Labor: Preisträger: Frère

Wir treffen Sänger Alexander Körner und Schlagzeuger Sebastian Grönheit

Wie fing mit Frère alles an?

Alex: Frère habe ich vor vier Jahren als Singer-Songwriter-Projekt gegründet. Wenn man nur mit einer Gitarre unterwegs ist, kann man recht einfach ziemlich viele Konzerte spielen. 2015 habe ich dann Alessandro Mara getroffen, der daraufhin der Produzent des ersten Albums wurde und jetzt auch live Synthesizer spielt. Sebastian hat das Schlagzeug eingespielt, wir beide kennen uns schon seit unserer Jugend. Dann kam noch Alan Kasab dazu, der Gitarre und Bass bei Frère spielt. Anfang September ist unser erstes Album „Void“ erschienen. Damit sind wir gerade auf Tour.

Könnt ihr von der Musik leben?

Sebastian: Ich studiere nebenbei noch Elektrotechnik. Wenn ich in der Musik Kompromisse machen müsste, um über die Runden zu kommen, wäre das auch nur ein Job. Dann kann ich gleich einen zusätzlichen Beruf erlernen, bei dem ich mehr Geld verdiene. Um des Geldes willen im Studio zu sitzen und gesagt zu bekommen, was ich einspielen soll, ist für mich nicht das Richtige.
Alex: Ich bin mittlerweile Berufsmusiker. Ob wir vier irgendwann alle von der Band leben können – ob das heute allgemein überhaupt noch möglich ist – weiß ich nicht. Ich glaube es ist ein Vorteil, dass sich mit mir eine Person nur auf diese eine Band konzentrieren kann, dafür mache ich auch die Organisation.

Woher kommt eure Motivation, Musik zu machen?

Sebastian: Wir sind wahrscheinlich Menschen die das brauchen. Wenn es schwierig wird, hörst du nicht einfach auf. Obwohl es dafür genug Anlässe gegeben hätte. Man möchte seine Ideen ja loswerden. Andere schreiben oder fotografieren, wir drücken uns eben mit Musik aus.
Alex: Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie. Meine Eltern sind zwar keine Musiker, aber bei uns Zuhause hat Musik immer eine wichtige Rolle gespielt. Ich wollte schon früh Musiker werden. Ich wüsste sonst auch einfach nicht, was ich lieber, oder überhaupt, stattdessen machen sollte.

Wie entwickelt ihr eure Songs?

Alex: Normalerweise komme ich mit einem fertigen Lied, oder einer Idee, danach wird alleine oder zu zweit dran gearbeitet bis wir es dann alle zusammen spielen und dem Lied so den letzten Feinschliff verpassen. Vielleicht öffnen wir das in Zukunft auch mal. Also jeder aus der Band kann auf jeden Fall seine Ideen einbringen und mitreden. Das ist auch nicht immer nur geil (lacht).

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Alex: Auf unsere Musik muss man sich schon einlassen, sich Zeit nehmen. Das soll Musik sein, die entschleunigt. Bei einer langen Fahrt, mit dem Album auf Kopfhörerrn oder im Autoradio, ist es sicherlich recht einfach einen Zugang dazu zu bekommen, oder eben bei einem Konzert.

Worin liegt der Unterschied, ob man solo oder als vierköpfige Band unterwegs ist?

Alex: Das ist logistisch alles ordentlich komplizierter, wir brauchen einen Bus, müssen mit vier bis sechs Leuten irgendwo schlafen, brauchen alle was zum Essen. Das ist alleine mit Gitarre natürlich einfacher. Man läuft auch ein bisschen Gefahr in einer Blase zu leben. Alleine muss man den Kontakt zu den Leuten suchen, um nicht den ganzen Abend in irgendeiner Ecke zu sitzen. Das legt sich aber, wenn man eine Weile zusammen unterwegs ist mit der Blase. Dann freut man sich jeden Abend über die neuen Gesichter. Es ist auf jeden Fall schön und auch ein Privileg, mit seinen Freunden unterwegs zu sein und Musik zu machen. Die Band hat natürlich auch einen anderen Effekt als ich allein, es öffnet uns gerade Türen, gemeinsam zu touren.

Wie ist es um die Netzwerke in der künstlerischen Szene im Ruhrgebiet bestellt?

Alex: Die Agenturen sind in Berlin, Hamburg, Köln. Köln ist so nah, da lohnt es sich nicht, hier eine Zweigstelle aufzumachen. Damit die einen auf dem Schirm haben, muss man auch mal aus den Städten hier raus kommen und das kommen nicht alle Bands. Es ist aber recht persönlich alles, die Indieszene ist in der Region gut vernetzt, alle kennen sich, es ist aber überschaubar. Wir haben zu vielen Musikern aus den umgebenden Städten Kontakt, alles andere wäre ja auch schade.
Sebastian: Netzwerke sind wichtig und es gibt hier genug Raum für alle. Viele Menschen machen Musik, aber jeder auch sein eigenes Ding. Da sollte man sich vernetzten und nicht immer Konkurrenz wittern. Es wäre allerdings einfacher, die Netzwerke zu pflegen, wenn der Nahverkehr günstiger wäre und man auch spät abends, wenn Konzerte nunmal stattfinden, auch noch nach Hause kommen würde.

Gibt es im Ruhrgebiet so viel künstlerisches Potential?

Alex: Klar, die meisten meiner Freunde machen irgendwas Künstlerisches. Die machen auch frische Sachen, also ich kenne niemanden in unserer Generation, der davon erzählt, wie schön es ist vor der Trinkhalle zu stehen und Currywurst zu essen, oder der Zechentürme malt. Von dieser Fixierung auf die sogenannte Ruhrgebietsgeschichte müssen wir hier mal wegkommen, damit hilft man den acht Millionen Leuten die hier wohnen auch nicht.
Sebastian: Genau. Wir sind jetzt Mitte zwanzig und definieren uns nicht nur über diese Zechenvergangenheit. Außerdem wachsen ja auch Musiker nach, die sich damit gar nicht mehr identifizieren können.

Bietet das Ruhrgebiet auch Vorteile für junge Musiker?

Alex: Die Mieten sind im Vergleich zu anderen Großstädten ziemlich günstig, einen Proberaum in irgendeinem Bunker bekommt man auch recht schnell. Außerdem spielen viele Bands aus Berlin immer nur in Berlin. Die ganze Zeit im Ruhrgebiet spielen bringt es nicht wirklich. Man wird also ein bisschen zum Getriebenen, der dauernd weg fährt, was bestimmt gar nicht schlecht ist.
Sebastian: Musiker müssten gar nicht abhauen, es würde sich sogar lohnen, hier hin zu kommen. Andere Städte sind schon voll.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft von Frère?

Sebastian: Ich wünsche mir, dass wir uns weiter entwickeln. Ich will nicht wieder von vorne anfangen, habe den langen Atem dafür. Die meisten Bands geben zu früh auf. Unser Album ist schön, aber das nächste wird noch besser werden. Ich mache mir keine Illusion über den großen Durchbruch, ich möchte einfach nur weiter gute Musik generieren.
Alex: Ich versuche nicht zu viel darüber nachzudenken. Bis jetzt hat es sich gut entwickelt und ich möchte auch künftig Musik machen, die mir gefällt. Solange wir Konzerte haben und sich das echt anfühlt, was wir machen, bin ich ganz zufrieden.