Lalla:Labor: Preisträger: Tiktaalik

Wir treffen Layn und MoS Renaud von „Tiktaalik“ in der Essener Goldbar

Wie lange kennt ihr euch?

MoS Renaud: Wir kennen uns schon seit acht Jahren. 2009 haben wir beide jeweils in anderen Bands gespielt, die dann auch mal gemeinsam aufgetreten sind und so haben wir uns kennengelernt. Wir haben dann zwischendurch musikalisch immer mal wieder was zusammen gemacht, aber das hat sich immer wieder ein bisschen verlaufen. Dann haben wir bis vor zwei Jahren in der Postrock-Band „toc.sin“ zusammengespielt.

Und dann habt ihr parallel „Tiktaalik“ gegründet?

MoS Renaud: Jedes Jahr im September haben wir mit „toc.sin“ auf einem Festival gespielt. Wir waren immer mit unterschiedlichen Schlagzeugern unterwegs, aber 2015 konnte dann zu dem Termin plötzlich keiner von den vieren. Weil wir da seit Jahren gespielt haben und auch nicht hin wollten, ohne zu spielen, habe ich Layn angerufen und gefragt, ob wir nicht unsere Ideen zusammenschmeißen wollen.
Layn: Einmal haben wir uns getroffen und dann direkt auf dem Festival zusammen gespielt. Die Leute haben gut abgetanzt und wir haben einfach weiter gemacht.

Welche musikalische Vorgeschichte habt ihr über den Rock hinaus?

Layn: Ich habe schon viel gemacht. Rock war dabei, aber ich war auch in einer Popband. Außerdem hatte ich ein Singer-Songwriter-Projekt. Einige meiner Songs haben wir dann auch für „Tiktaalik“ verwenden können. Anfangs habe ich mich nicht so richtig auf einer Bühne nach vorne getraut. Dann wurde es halt immer mehr und jetzt singe ich alle Lieder.
MoS Renaud: Da haben wir getauscht. Ich stand früher immer ganz vorne, weil ich gesungen habe. Jetzt bleibe ich im Hintergrund und das gefällt mir sehr gut!

Ist es ein großer Unterschied, ob man Rock oder elektronische Musik macht?

Layn: Letztens haben wir in einem Kunsthaus bei einer Ausstellungseröffnung gespielt. Da käme eine Rockband dann nicht infrage. Wir können laut, wenn die Leute tanzen wollen, aber auch leise, wenn sich jemand eine Ausstellung angucken will.

Wie hat das Umfeld auf euren Wechsel reagiert?

MoS Renaud: Gut, denen gefällt das. Wir sind ja auch immer noch dieselben Menschen, haben nur ein neues Kleid für unsere Musik gefunden. Und es gib ja bei uns auch mal Unterstützung in Form einer Gitarre, Trompete oder Violine. Auf größeren Open Airs würden wir dann gerne öfter andere Musiker*innen als Unterstützung holen. Vielleicht auch mal ein Schlagzeug.

Und konntet ihr dann alte Kontakte von früher nutzen?

MoS Renaud: Auch. Aber die Musik die wir jetzt machen ist ja nicht mit der von früher vergleichbar. Vom Rock zu Trip-Hop und in den elektronischen Bereich. Die Kontakte in der Rockszene konnten uns da nicht so helfen. Da mussten wir uns neu orientieren und schauen, wo wir überhaupt spielen können. Wir sind ja noch eine relativ junge Combo und es ist interessant, welche neuen Kontakte sich dann ergeben.
Layn: Wir sind auch in anderen und kleineren Läden unterwegs und dabei relativ unabhängig, weil wir zu zweit sind und nicht mal ein Schlagzeug brauchen. Wir haben nicht viel aufzubauen. Das ist sehr angenehm, wenn wir mit dem kleinen Opel Corsa anreisen können.
MoS Renaud: Mit der Bahn ginge es auch. Das haben wir bisher noch nicht gemacht, aber vielleicht holen wir uns mal eine Bahncard (lacht).

Wie läuft das Songwriting bei euch ab?

MoS Renaud: Wir sind keine klassische Band und proben auch nicht. Wir haben da eine andere Arbeitsweise. Am Anfang haben sich die Songs auf Konzerten entwickelt. Daggy hat Ideen, ich hab Ideen und die haben wir dann zusammengeschmissen, um live was daraus zu bauen. Wir machen das gemeinsam, schicken uns die Sachen hin und her. Dann arbeitet jeder für sich damit. Daraus entwickeln sich dann die Stücke. Mein Studio ist mittlerweile auch fertig, wir werden uns künftig dann auch mal direkt dort treffen und an den Songs arbeiten.

Wo wollt ihr mit „Tiktaalik“ noch hin?

MoS Renaud: Mit dem Sound sind wir schon sehr zufrieden und wir haben noch viele Ideen. Durch die Förderung können wir jetzt auch die Platte raus bringen, sogar auf Vinyl. Das Album erscheint im April oder Mai und heißt schlicht „Tiktaalik“. Die Record Release Party findet am 12.5. im Wohnzimmer in Gelsenkirchen statt. Wir haben genug Ideen, das zweite Album wird nicht lange auf sich warten lassen.
Layn: Mit Bands wie „Moloko“ oder „Lamb“ aufzutreten, das wäre ein Traum.
MoS Renaud: Oder mit „Massive Attack“. Die spielen ja dieses Jahr in Köln, müssen wir mal fragen. Aber im Ernst: ich würde gerne eine Tour machen, auch raus aus Deutschland. Mehrere Wochen in Europa unterwegs sein. Vielleicht in Frankreich, Spanien oder sonst wo. Darauf hätte ich richtig Bock. Auch wenn das mit Layns kleinem Sohn jetzt schwieriger wird.
Layn: Ach Quatsch. Das geht alles.